Das fette Haus von Erwin Wurm

16. August 2017

Seit mehr als 35 Jahren beschäftigt sich der österreichische Ausnahmekünstler Erwin Wurm mit den Ausdrucksmöglichkeiten der Bildhauerei und bedient sich dabei immer wieder des Motives „Haus”. Selbstverständlich sind Wurms Häuser keine bewohnbaren Bauten, sondern verfettete, extrem schmale, enge, kippende oder geschmolzene Plastiken, die sich selbst und ihre Funktion in der Gesellschaft in Frage stellen.

Ausstellungsansicht Erwin Wurm. Performative Skulpturen. Foto: Johannes Stoll, © Belvedere, Wien / © Bildrecht, Wien, 2017

Erwin Wurm, Fat House, 2003, Eisen, Holz, Styropor, Aluminium, Elektroinstallationen, Video auf DVD, Videoprojektion (8:40, geloopt), Lautsprecher 540 x 1000 x 700 cm.

Foto: Johannes Stoll, © Belvedere, Wien / © Bildrecht, Wien, 2017

Erwin Wurm: House Attack Performance, 2012. Foto: Gerald Y Plattner

Seit Mai dieses Jahres läuft im Wiener 21er Haus die Ausstellung „Erwin Wurm. Performative Skulpturen“. Einen Verweis auf diese Schau liefert das „Fat House“, das im Oberen Belevedere aufgestellt wurde und das bisher über 85.000 Besucher_innen besichtigt haben. Bis zum Ende der Ausstellungslaufzeit am 10. September kann das „Fat House“ bei freiem Eintritt noch besucht werden. Durch den Aufstellungsort ergibt sich ein spielerischer Dialog mit der barocken Architektur des Schlosses. In der begehbaren Skulptur hält eine Animation des übergewichtigen Hauses einen Monolog über den Sinn des Lebens, Kunst und Architektur. Eine unterhaltsame und ironische Reflexion über die Symptome des Wohlstands und eine Einladung, über existenzielle Fragen nachzudenken.

Bei seiner Werkgruppe der Performativen Skulpturen legte Wurm selbst Hand an, indem er Modelle von Gebäuden und Objekten des täglichen Gebrauchs, sowie rohe Blöcke aus Ton deformierte. Für die Serie House Attack attackierte der Bildhauer Modelle von teils bekannten, teils anonymen Bauten, bzw. von Gebäuden, zu denen er einen persönlichen Bezug hat. Er legte sich etwa auf sein Elternhaus und deformierte es durch sein Körpergewicht, sprang auf den Narrenturm, grub ein Loch ins Hochsicherheitsgefängnis Stammheim oder trat gegen eine deutsche Bunkerarchitektur. Dadurch entstand ein spannungsgeladener Dialog zwischen der Urform des Materials und den Spuren des performativen Eingriffs.

Am 6. September 2017 (Beginn 19 Uhr) wird es im 21er Haus ein Künstlergespräch mit Erwin Wurm und Wolf D. Prix (Coop Himmelb(l)au) geben. Die beiden werden über ihre Inspirationsquellen und das Verhältnis von Kunst und Architektur sprechen. Wolf D. Prix drückt seine Wertschätzung für Erwin Wurm unter anderem so aus: „Wie kann ich Erwin Wurm nicht schätzen, wo der doch den Menschen Bleistifte in die Nase steckt und Flaschen zwischen die Beine klemmt. Erwin Wurm ist mit seinen grenzüberschreitenden Bildern und Skulpturen – das Auto fährt nicht auf der Straße, sondern die Wände hoch – unseren Architektur-Denkprozessen sehr nahe.“

Kombiführungen Belvederegarten und 21er Haus:

Mittwoch, 23., 30. August, 6. September / 18 Uhr

Samstag, 9. September und Sonntag, 10. September / 11 Uhr

www.21erhaus.at

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