Zum Fachkräftemangel in Österreichs Tourismuswirtschaft

28. November 2018

Während die Regierung Maßnahmen getroffen hat, um die Situation zu verbessern, fragen sich Hoteliers, welche Anreize es braucht, um qualifizierte Mitarbeiter für sich zu gewinnen und auch halten zu können.

Sigrid und Maximilian Blumschein zählen zu den Vorzeige-Arbeitgebern in Tirol. © Hotel Wirtshaus Post

Ein schöner Arbeitsplatz, flexible Arbeitszeiten und faire Bezahlung: Das Hotel Wirtshaus Post geht mit gutem Beispiel für die Tourismusbranche voran. © Hotel Wirtshaus Post

Mit aktuell 162.000 fehlenden Fachkräften in Österreich ist die Bekämpfung des Fachkräftemangels ganz klar das Gebot der Stunde. © Hotel Wirtshaus Post

„Bekämpfung des Fachkräftemangels hat oberste Priorität“, „Tourismus begrüßt Joboffensive der Bundesregierung“, „Fachkräftemangel gefährdet Arbeitsplätze“ – Schlagzeilen zum pulsierenden Fachkräftemangel in Österreichs Tourismuswirtschaft finden sich mittlerweile wie Sand am Meer.

„Mit aktuell 162.000 fehlenden Fachkräften in Österreich ist die Bekämpfung des Fachkräftemangels ganz klar das Gebot der Stunde. Jede Maßnahme zur Linderung dieses akuten Problems ist dementsprechend wichtig“, kommentierte die Obfrau der Bundessparte Tourismus und Freizeitwirtschaft, Petra Nocker-Schwarzenbacher, die mittlerweile prekäre Lage für die Hotel- und Gastronomiebetriebe.

Maximilian Blumschein, Hotelier der ersten Stunde und Geschäftsführer des Hotel Wirtshaus Post im Tiroler St. Johann kann sich hier nur anschließen: „Die Lage spitzt sich seit einem guten Jahr zu. Der Tourismus in Österreich boomt – da viele Hotels um den Nachwuchs buhlen, ist es noch schwieriger an gute Kandidaten heranzukommen. Die Rekrutierungszeit hat sich für uns im Vergleich zu 2017 verdoppelt.“

Während Hotels für ihre Kunden gerne den roten Teppich ausrollen, hinkt das Engagement in Sachen "Employee Experience" zumeist noch hinterher. Das schlechte Image der Gastronomie als Arbeitgeber wird seit langem von Kritikpunkten wie überlangen Arbeitszeiten, cholerischen Vorgesetzten, schlechter Entlohnung und keinerlei Aufstiegschancen für die Mitarbeiter geprägt. Verallgemeinerungen und Schlechtreden ist jedoch der falsche Weg, denn wie in jeder Branche gibt es natürlich auch hier viele schwarze Schafe, bei denen eindeutiger Verbesserungsbedarf besteht. Jedoch sollte man aufgrund dieser, zum Glück meist, Einzelfälle kein pauschales Urteil über die gesamte Branche fällen.

„Jeder jammert, dass Personal fehlt. Das ist Tatsache und wird sich nicht so schnell ändern. Der erste Schritt muss es sein, bei sich selbst anzufangen.“, ist sich Hotelier Maximilian Blumschein sicher. „Hochkarätige Bewerber können sich Stellen aussuchen – und das wissen sie auch. Daher ist es umso wichtiger, das Arbeitsumfeld attraktiv zu gestalten“, bestätigt Sigrid Blumschein, Geschäftsführerin und Wirtin des Hotel Wirtshaus Post. Einer dieser wichtigen ersten Schritte, speziell für die Gastronomie, sind Mitarbeiter-Benefits, die vor einigen Jahren im Gastgewerbe noch als Luxus angesehen wurden, heute aber mittlerweile zum Standard geworden sind: So sind etwa flexible Arbeitszeitmodelle eine zeitgemäße Antwort zu den Bedürfnissen der Arbeitskräfte. Hierzu Blumschein: „Der 12-Stunden-Tag ist in der Gastronomie keine Seltenheit, deshalb haben wir uns als Jahresbetrieb für eine regelmäßige 5-Tage-Woche entschieden. Genauso wichtig sind angemessene Personalunterkünfte. Wer diese im ländlichen Raum nicht bieten kann, wird sich schwer tun, Fachkräfte zu finden“.

Da dem Fachkräftemangel nur bedingt mit der Erhöhung von materiellen Ressourcen entgegenzuwirken ist, verlagern sich die angedachten Lösungen primär in den ideellen Bereich: Feedbackkultur, allgemeine Wertschätzung durch den Arbeitgeber, intelligentes Zeitmanagement und echte Entwicklungschancen sind hier die Schlagwörter. Blumschein zufolge ist vor allem die faire Bezahlung im ersten Schritt ein absolutes Muss: „Das ist die Basis einer gesunden Arbeitsbeziehung und wesentlich, um überhaupt die Aufmerksamkeit von Fachkräften zu erlangen. Wir bezahlen auch ausländische Hilfskräfte über Kollektivvertrag. Engagement und Kompetenz müssen honoriert werden.“

Sigrid Blumschein sieht eine der wichtigsten Priorität darin, ein harmonisches Team zusammenzustellen und zum eigenständigen Arbeiten zu motivieren: „Sich mit dem einzelnen Mitarbeiter auseinanderzusetzen, Fortschritte zu erkennen und zu loben ist wesentlich. Das beginnt bereits bei Lehrlingen: Wenn jungen Mitarbeitern immer nur Hilfsarbeiten zugeteilt werden, haben sie nicht das Gefühl, sich weiterzuentwickeln. Das verstehen auch die meisten Gäste – schließlich hat jeder einmal klein angefangen.“

Als Vorzeige-Arbeitgeber in Tirol haben die Blumscheins ihr Team bereits um sich gesammelt und sind mit dem Hotel Wirtshaus Post bereit für die anstehende Wintersaison 2018/2019.

www.dashotelpost.at

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